Mitteilungen von Sigwart

                         aus dem Leben nach dem Tod                                                                                                              bisher unveröffentlicht

 
 

Sigwart


Sigwart Botho Philipp August Graf zu Eulenburg wurde am 10. Januar 1884 in München als sechstes Kind seiner Eltern geboren. Seine Mutter stammte aus dem schwedischen Geschlecht der Grafen von Sandels. Die beiden ältesten Kinder starben im frühesten Kindesalter. Zwei Geschwister, ein Bruder und eine Schwester, erschienen noch nach Sigwart. So wuchs er in einem Kreis von 6 Kindern als Viertältester auf und erlebte eine selten sonnige, glückliche Kindheit und Jugend in München, Oldenburg und Wien, wo sein Vater deutscher Gesandter beziehungsweise Botschafter war.

 

In der ersten Woche seines Erdendaseins hatten die Eltern grosse Sorge um sein Leben, da er die Masern von seiner Mutter bekam, die im Wochenbett dadurch auch ernstlich krank war. Ich erwähne dies, da es wohl ungewöhnlich ist, dass diese Entwicklungskrankheit ein Kind in so frühem Alter befällt.

 

Schon in frühesten Jahren zeigte sich bei Sigwart ein starkes musikalisches Talent. Mit acht Jahren komponierte er schon Lieder, die er selbst begleitete, und kleine Musikstücke für Klavier. Erstere immer für religiöse Texte, wie ja auch später das Religiöse und Heldisch-Religiöse durch alle seine Kompositionen durchklingt. Sigwart studierte bei Gound in Wien, bei Max Reger in Leipzig, bei Ludwig Thuille und Albert Schweitzer.


Von seinen Werken ist nur ein kleiner Teil in Druck erschienen. Er komponierte sehr viele Lieder zu Klavier und Lautenbegleitung, ein Streichquartett, eine Violinsonate, zwei Klaviersonaten, zwei Weihnachtsspiele, ein Melodram «Hektors Bestattung», das Furtwängler vor dem Krieg in der Philharmonie in Berlin zur Aufführung brachte, die Oper «Lieder des Euripides» mit Text von Wildenbruch und vieles andere. Eine Komposition für Orchester, die er als Zwölfjähriger verfasste, wurde im Musikvereinssaal in Wien uraufgeführt. Die Oper «Lieder des Euripides» wurde ein halbes Jahr nach seinem Heimgang erstmalig in Stuttgart unter Schillings mit gutem Erfolg aufgeführt, später in Weimar unter Kapellmeister Raabe. Dann in den Jahren 1934 – 1939 in Köln, wo Intendant Spring sich mit seiner ganzen Persönlichkeit begeistert für dieses Werk und auch für Sigwarts andere Kompositionen einsetzte. Auch für die Berliner Oper war die Aufführung vorgesehen, unterblieb dann aber durch die Kriegsereignisse.

 

Botho-Sigwart war sein Künstlername, den er sich selber gab. Im September 1909 heiratete Sigwart die Konzertsängerin Helene Staegemann in Leipzig.

 

Sigwart war zart von Gesundheit, besonders seine Lunge war gefährdet, deswegen kam er nicht zum Militär. Als ein halbes Jahr nach der Geburt seines einzigen Kindes (eines musikalisch auch sehr begabten Sohnes, der während seiner Militärausbildung mit 22 Jahren plötzlich an Meningitis starb) der erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Sigwart sofort als Freiwilliger und kam zuerst, nach seiner Ausbildung in einem Reiterregiment, nach dem Westen, wo er zu seinem Kummer immer in der Etappe blieb. (Die Etappe bezeichnet im militärischen Sinne das Gebiet hinter der Front. Hier befinden sich die rückwärtigen Dienste wie Lazarett- und Instandsetzungseinheiten, Anm. Hrsg.)  Durch Protektion erreichte er nach einem halben Jahr zum IV. Garderegiment nach dem Osten versetzt zu werden.

 

Im Schützengraben arbeitete Sigwart an einer grossen Klaviersonate, die er seiner Cousine, der Pianistin Dagmar Gräfin Dankelmann, widmete. Zwischen Sigwart und Dagmar webte seit ihrer Jugend ein sonderbares Band. Dieses Vermächtnis an sie, das gleichzeitig sein Schwanengesang war, ist diese Sonate, die Dagmar ab 1920 bis zu ihrem Tode 1935 in all ihren Konzerten mit grossem Erfolg spielte.

 

Im Mai 1915, beim Sturm auf die Höhen von Gorlitze in Galizien, wurde Sigwart durch einen Lungenschuss verwundet, dem er nach dreiwöchentlichem Krankenlager in Jaslo am 2. Juni 1915 morgens um halb vier Uhr erlag.


Unter den Schwestern stand ihm Lycki, die ein Jahr Ältere und Tora, die Jüngste, sehr nahe. Lycki ist Malerin, Tora, gleich ihm, musikalisch hochbegabt. Ausser für seine Musik interessierte sich Sigwart stark für alles Geistige, für Buddhismus, Theosophie und Anthroposophie. In München studierte er Geschichte und Philosophie. 1907 promovierte er mit einer Arbeit über den Komponisten und Organisten Erasmus Widman. Sigwart gehörte 1906 in Berlin zum ersten intimeren Kreis um Rudolf Steiner.
(Obiger Text wurde 1950 von Marie Fürstin zu Eulenburg, der Schwägerin von Sigwart verfasst)


Sigwarts Grab im Schlosspark Liebenberg


Die Eiche  "Sigwart Gedenkstätte" im Schlosspark Liebenberg

 




Kompositionen von Botho Sigwart auf Tonträger


 

Botho Sigwart Edition vol. II Op.13, Op.19 
(CD bei Pink Tonträger, D–79219 Staufen)

 

 

 


 Botho Sigwart: Op.6, 7, 14, 18 

(CD bei Parzifal Verlag, CH–4143 Dornach)